Helmkauf-Guide
ECE 22.06 · Helmtypen · Passform und Belüftung
ECE 22.06 — was es bedeutet
ECE 22.06 ist der aktuelle EU-Homologationsstandard für Motorradhelme, der 2022 ECE 22.05 abgelöst hat. Alle neuen Helme müssen ECE 22.06 erfüllen, um in der EU zugelassen zu sein. Der Standard umfasst schärfere Anforderungen an die Aufprallabsorption, Rotationskräfte (durch ein neues obliques Aufprallprüfverfahren) und Visierverriegelung.
ECE 22.05-Helme sind weiterhin legal zu fahren — sie gelten nicht als veraltet. Wenn du jedoch einen neuen Helm kaufst, achte auf ECE 22.06.
Helmtypen
Integralhelm
Einschaltiger Kinnschutz, vollständige Abdeckung. Breitester Schutz, am besten geeignet für Sport- und Tourenfahren. Etwas lauter als offenere Designs, aber modernes Innenfutter und Aerodynamik können dies erheblich reduzieren. Die meisten Premium-Tourhelme (Shoei GT-Air, Nolan N87) sind Integralhelme mit integriertem Sonnenvisier.
Klapphelm (Modular)
Kinnschutz klappt auf — ideal für Tourer, die unterwegs trinken oder kurz sprechen möchten. Leichter Steifigkeitsverlust gegenüber dem Integralhelm durch das Scharnier. ECE 22.06 zertifizierte Klapphelme sind für das Fahren bei geöffnetem Kinn zulässig, wenn entsprechend gekennzeichnet (P/J). Für das Fahren bei geschlossenem Kinn immer geeignet (P).
Jethelm (Offener Helm)
Kein Kinnschutz — maximal offenes Sichtfeld, ideal für Städte und niedrige Geschwindigkeiten. Kein Kinnschutz bedeutet weniger Schutz. Für Landstraßen- oder Autobahnfahrten nicht empfohlen.
Passform — wichtiger als alles andere
Ein schlecht sitzender Helm ist kein Schutz, unabhängig vom Preis. Helme sollten eng, aber nicht schmerzhaft sitzen — kein Druckpunkt auf Stirn oder Schläfen, kein Wackeln bei seitlicher Bewegung. Kopfformen variieren: rund, oval oder intermediär. Verschiedene Marken passen verschiedene Kopfformen besser — Shoei ist bekannt für ovale Köpfe, AGV für eher runde.
Wenn möglich, immer anprobieren. Online-Kauf ohne vorherige Anprobe ist ein Glücksspiel, egal wie viele positive Bewertungen ein Helm hat.
Belüftung und Lärm
Belüftungsöffnungen auf dem Kinn und oben saugen Luft an und leiten sie über Wangen und Kopf, dann durch Auspuffschlitze im hinteren Bereich ab. Die tatsächliche Belüftungsleistung variiert erheblich zwischen ähnlich bewerteten Helmen — Nutzerberichte sind hier aussagekräftiger als Marketingangaben.
Lärm ist bei langen Touren ermüdend. Außer bei Helmen der obersten Klasse (Shoei NXR2, AGV K6 S) lohnt sich der Kauf von Ohrstöpseln oder einem Kommunikationssystem, das auch als Geräuschbarriere wirkt.
Integriertes Sonnenvisier vs. getöntes Visier
Ein integriertes Sonnenvisier ist praktisch für wechselnde Bedingungen — kein Stoppmanöver zum Tauschen. Der Mechanismus ist eine weitere Schwachstelle, aber moderne Implementierungen (Shoei GT-Air 3, Nolan N80-8) sind zuverlässig. Getönte Außenvisiere bieten mehr Sicherheit beim Crash, da kein inneres Scharnier vorhanden ist.
Aktuelle Helmangebote

Shoei
NXR2
Shoeis Flaggschiff-Vollvisierhelm. AIM+ Multi-Composit-Schale — die leichteste seiner Klasse. CWR-F2 Pinlock 120 Max Vision, EQRS-Notfallentriegelung, im eigenen Windkanal entwickelte Aerodynamik.

Shoei
GT-Air 3
Shoeis Touring-Vollvisierhelm mit integriertem Sonnenvisier. AIM-Schale, leise Aerodynamik für Langstreckenkomfort. Ideal für Pendler und Langstrecken-Tourer.

AGV
K6 S
Italienischer Vollvisier-Sporthelm aus Carbon-Aramid-Faser ab 1.255 g. 190° Sichtfeld, Max Vision Pinlock 120. Übertrifft ECE 22.06 um 36%.